Florian Boemer

Ein Jahr in Indien

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum

Weihnachten? Klar! Weihnachtsbaum, Plätzchen, Geschenke und viel Essen. So ungefähr war Weihnachten bisher für mich. Davon habe ich dieses Jahr nicht viel erlebt.

Doch bevor ich von meiner Weihnachtszeit dieses Jahr berichte, wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in 2020!

Die Adventszeit hat sich grundsätzlich nicht besonders von meinen bisherigen Adventszeiten unterschieden. Vor den Ferien gibt es noch Klausuren, es ist stressig, kalt und am Ende kommt Weihnachten viel zu früh.

Neben dem Unterschied, dass ich diese Zeit aus der Perspektive eines Lehrers erlebt habe, war es vor allem komisch, bis in die Mitte des Advents im T-Shirt und kurzer Hose herumzulaufen. Auch die Tatsache, dass es vor allem in der Nacht immer kälter wurde, hat nichts daran geändert, dass eine „deutsche„ Weihnachtstimmung nicht aufkommen wollte.

So war auf einmal der letzte Schultag gekommen und es gab eine kleine Weihnachtsfeier, bevor die Kinder nach Hause durften. So wurde wieder gesungen, getanzt und die Weihnachtsgeschichte vorgespielt. Einige Videos davon habe ich auf meinem Youtube Kanal hochgeladen. Unten ist der Schulchor mit einem lokalen Weihnachtslied.

Im Anschluss gab es dann auch noch den symbolischen ersten Spatenstich und die Segnung für das neue Gebäude, was direkt neben unserer Kommunität entsteht. Da die Schule immer weiter wächst und immer mehr Bestimmungen erfüllen muss, müssen die Jungs aus den Räumen im Schulgebäude raus. Dafür muss bis März das neue Gebäude stehen. Ich bin gespannt ob das klappt. Bisher wurde schon fleißig gearbeitet . Natürlcih alles in Handarbeit, da es billiger ist. Selbst das Fudament wurde nur mit Schaufeln ausgehoben.

Und dann waren die Schüler und die meisten Lehrer weg. Und Weihnachten war nur noch drei Tage entfernt. Die anschließenden Tage haben wir dann genutzt das Haus zu schmücken und eine Krippe zu bauen. Uns wurde gesagt, dass wir kreativ sein sollen. Als wir dann aber fast fertig waren, mussten wir doch erfahren, dass unser Projektleiter klare Vorstellungen hatte und wir uns so dem indischem Kitsch beugen mussten. So endete es mit vielen zum Teil wild blinkenden Lichtern.

Unsere Kommunität ist vergleichsweise noch dezent geschmückt
Auch die Krippe blieb von grellen Lichtern nicht verschont

So kam doch noch etwas Weihnachtsstimmung auf, die allerdings noch sehr gering war, da wir am Tag immer noch nur im T-Shirt unterwegs waren.

Am Abend sind wir dann mit Geschenken zu den anderen christlichen Kommunitäten gefahren und haben dort Weihnachtslieder gesungen und meistens einen Tee getrunken. Das ist wie ich finde ein wirklich schönes Ritual, da so in den Tagen vor Weihnachten immer jemand zu Besuch ist oder man selbst irgendwo ist. Außerdem konnten wir so endlich die anderen Christliche Kommunitäten in der Umgebung kennenlernen. So haben wir eine Schwester kennen gelernt, die 20 Jahre lang in der Nähe von Winterberg in einem Kloster gearbeitet hat und gut deutsch kann. So konnten wir endlich mal wieder mit jemandem auf Deutsch reden.

Und so kam dann doch noch etwas Weihnachtsstimmung auf. Auch weil Simon und ich am 24.12. Plätzchen gebacken haben. Das klingt leichter als es war. Wir wissen immer noch nicht genau warum, aber die einfachsten Plätzchenrezepte haben nicht funktioniert. Daraufhin haben wir einfach alles Mögliche zusammen geschmissen und haben uns mit dem Teig auf den Weg zu den Sisters gemacht, die etwa zwei Minuten Fußweg von uns entfernt leben. Die haben nämlich im Gegensatz zu uns und den meisten anderen Haushalten eine Mikrowelle mit Ofenfunktion. Die Kekse waren dann auch ganz lecker.

Da nicht besonders viele Kekse in den Ofen gepasst haben, war es schon dunkel als wir fertig waren und somit war schon Heiligabend.

An Heiligabend sind wir dann mit dem Jeep, allen Fathers und unserer Köchin nach Belua, ein kleines Dorf gefahren und haben dort Heiligabend verbracht.

Nach dem Ankommen haben wir einige Familien in ihren Häusern besucht und uns mit einem Tee aufgewärmt, da es doch abends ziemlich kalt ist momentan.

Daraufhin haben wir in der sehr schönen und kleinen Dorfkirche Messe gefeiert. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Wir haben zwar nichts verstanden, da die Messe auf Santali war, aber zu sehen, wie alle auf dem Boden sitzen und sich gegenseitig wärmen war sehr schön. Nach der Messe wurde dann gefeiert (es ist ja auch ein Geburtstag!) und, natürlich, getanzt.

Da wir ja inzwischen schon Erfahrung im Tanzen haben, haben wir noch etwas mitgetanzt. Besonders die Jüngeren haben sich sehr darüber gefreut, dass die komischen, großen, wahrscheinlich superreichen Weißen mit ihnen tanzen. Doch auch uns hat es sehr viel Spaß gemacht und wir mussten nur gehen, weil unsere Fathers nach Hause wollten, da es kalt und spät geworden war. So sind wir dann nach etwa 45 Minuten Fahrt gegen 3 Uhr wieder angekommen und schlafen gegangen. Kein Weihnachtsbaum, keine Geschenke und kein Weihnachtsessen.

Und ich würde nicht sagen, dass ich es vermisst hätte. Durch diese andere Art Weihnachten zu feiern ist mir die eigentliche Bedeutung von Weihnachten viel näher gekommen und auch die ganze Vorweihnachtszeit hat sehr gut zum überlegen über alles Mögliche angeregt. Das klingt natürlich jetzt sehr klischeehaft nach dem Deutschen, der in die weite Welt geht und dort den Sinn des Lebens versteht, aber das möchte ich gar nicht sagen. Trotzdem finde ich es sehr schön Weihnachten einmal so erlebt zu haben. Auch wenn ich mich nächstes Jahr wieder auf Weihnachten in Deutschland freue.

Am 25.12. gab es übrigens doch ein kleines Festessen, da Father Damian aus unserer Kommunität, Schulleiter an einer anderen Schule wird und verabschiedet wurde.

Das war meine sehr untypische Weihnachtszeit. Wenn du Fragen hast oder über irgendetwas mehr wissen möchtest, schreib mir doch eine E-Mail (florian.boemer@gmx.de) oder einen Kommentar. Auch Themenvorschläge für den Podcast, der entweder anfang Januar oder nach unserer Reise in den Süden im Februar kommt, freue ich mich.

Auch möchte ich mich bei allen bedanken, dei schon gespendet haben. Das Projekt und auch der Freiwilligendienst sind auf Spenden basiert und meiner Meinung nach ist es sehr sinnvoll investiertes Geld. Also wenn du lust hast, einfach hier klicken oder auf Spenden gehen.

Mehr über die Wichtigkeit meines Projekts kommt auch noch in einem der nächsten Blogeinträge und eventuell auch ergänzend im Podcast.

Wie immer vielen Dank fürs Lesen und am Ende des Jahres wollte ich die Gelegenheit mal nutzen und mich auch bei allen bedanken, die Geld spenden, Kommentare schreiben, anders mit mir in Kontakt stehen oder einfach nur meine Blogs lesen. Ich freue mich schon auf 2020!

Also vielen Dank und einen guten Start ins neue Jahr!

Florian

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